Papa, was ist eigentlich im Himmel oben?

Mein dreijähriger Sohn hat das Fragen entdeckt. Warum ich diese Fragerei nicht als nerviges Gequassel, sondern als einen wunderbaren Aspekt des Vaterseins empfinde, schildere in einem weiteren Blogbeitrag auf zentralplus.

iele Bekannte amüsieren sich über die Warum-Fragen meines Sohnes: «Aha, in der Fragephase». Mein Dreijähriger ist dann jeweils irritiert. Andere nerven sich gar über die Fragerei und versuchen, sie zu stoppen. Ich wiederum geniesse diese «Zeit des Warums» und hoffe, das Fragen hält noch lange an. Die erste Frage, die mich an die Grenzen meines Erklärvermögens brachte, kam spontan an einem Nachmittag vor einigen Monaten beim Zvieri. Mein Sohn unterbrach sein Kauen, legte das Apfelringli auf den Tisch und fragte «Papa, was ist eigentlich im Himmel oben?». Seither sind Planeten und die Erde immer wieder ein Thema. Die Fragen kommen laufend und fordern auf ihre eigene Art und Weise.

Wenn das Haus davon fährt

Der Himmel hat es ihm angetan: Ein windiger Tag, Wolken ziehen am Himmel mit beeindruckendem Tempo über uns hinweg. Als ich aus dem Haus komme, steht er bereits staunend davor und schaut der Fassade entlang in den Himmel zu den Wolken: «Papa. Pa-pa.» sagt er langsam, staunend und leicht irritiert «das Haus fährt davon!».

Eine andere Situation: Meine Frau und ich suchen das Söckchen von der kleineren Schwester. Unser Dreijähriger rennt in die Küche und bringt es, wir bedanken uns. «Du wusstest also, wo es war?» – «Unter dem Küchentisch.» antwortet er und bleibt stehen um dann zu fragen: «Warum weiss ich das?» – «Du hast das in deinem Hirn gespeichert» – Er fasst sich an den Kopf und schaut uns beide an, meint dann ganz ernst zu mir: «Hast du kein Hirn?»

Wie oft habe ich in den letzten Wochen ganz einfache Dinge aus einer anderen Perspektive gesehen, wurde plötzlich nachdenklich wegen einer simplen Begebenheit oder musste lachen wegen einem banalen irgendwas. Ein wunderbarer Aspekt des Vaterseins. Ich liebe dieses immer weiterführende und nonstop wiederkehrende «Warum, Warum, Warum?». Die Fragen laden ein zur Reflexion oder sind spielerische Philosophie.

Ein paar Beispiele dafür:

Vogeldreck und Erkenntnistheorie

Wir setzten uns auf eine Sitzbank am Seeufer. Neben uns entdecken wir einen Vogeldreck. «Warum macht der Vogel sein Häufchen hierher und nicht ins Wasser?» – «Der Vogel überlegt sich nicht, dass es im Wasser passender wäre» – «Aber ich überlege das. Warum?» – «Weil wir über verschiedene Sachen nachdenken können» – «Warum können wir denken?»

Gesellschaftspolitik am Fahrradständer

Wir kommen vom Einkauf nach Hause, ich schliesse mein Fahrrad ab. «Warum schliesst du dein Velo ab?» – «Damit es niemand stiehlt» – «Warum gibt es Menschen, die stehlen?» –  «Weil sie vielleicht zu wenig Geld haben» – «Warum gibt es Menschen, die zu wenig Geld haben?»

Sonne, Mond und Erde

An einem Abend, erst noch bestaunten wir den Vollmond, steht unser Kleiner verblüfft am Fenster «Papa, schau, schau – der Mond ist kaputt». «Wir sehen nicht den ganzen Mond, die Sonne bescheint nur einen Teil» – Sonne und Mond, mein Sohn macht einen Gedankensprung: «Warum sind wir auf der Erde?».

Die Schlüsse, die unser Kleiner jeweils zieht, haben ihre eigene Logik. So auch dieser: Seine Mama pumpt Milch ab. Er fragt sie «Was ist das?» – «Eine Milchpumpe» – «Für was?» – «damit deine Schwester später Milch trinken kann» – «Dann bist du eine Kuh».