Für dein Wohlwollen, dich durch mein Antwortwirrwarr zu klicken, erst mal ein Video von Hagen Rether:

 

1 Frage und 12 Behauptungen aus meinem Bekanntenkreis (für meine Antwort auf das Dreieck klicken)

1. Warum um alles in der Welt ernährst du dich pflanzlich?! Was hat dich dazu bewogen?

Weil ich mich mit den Auswirkungen meiner Ernährung auseinandergesetzt habe:

Zur Umstellung auf pflanzliche Ernährung hat mich einerseits ein Seminar zur Weltarmut gebracht (wo die der Rolle der WHO, die Ernährung und hier unter anderem auch die Spekulation auf Nahrungsmittel betrachtet wurde) und anderseits ein Seminar zu Tierrechten, beides an der Uni Basel im Rahmen meines Philosophie-Studiums. Ich kam zum Schluss, dass sich der Konsum von Tierprodukten nicht rechtfertigen lässt und dass der Verzicht auf tierische Produkte für mich der einfachste Weg ist, meinen bescheidenen Beitrag gegen bestehende, systemische Ungerechtigkeiten zu leisten (neben der Umstellung/ Verminderung meines Kleiderkonsums). Natürlich stelle ich nicht in Abrede, dass der Mensch sein Konsumverhalten insgesamt ändern müsste sowie globale Abkommen notwendig wären, um sichtbar gerechtere Lebensbedingungen zu schaffen.

Wenn dir Umweltschutz und Humanismus am Herzen liegen, dann - meiner Meinung nach - müsstest auch du dir Gedanken zur Ernährung machen. Ein paar Zahlen dazu, aus dem etwas überdrehten und propagierenden aber doch wirkungsvollen Dok "Cowspiracy" (2015):

50 % der weltweiten Getreide - und Hülsenfruchternte werden an Nutztiere verfüttert (bei Soja sind es 80-90%). 82% der hungernden Kinder leben in Ländern, in welchen Nahrungsmittel an Vieh verfüttert werden, dieses wiederum wird von den Wohlhabenden des Landes exportiert - unter anderem zu uns. Mit einer pflanzlichen Ernährung spart eine einzelne Person jeden Tag 2.8m2 Regenwald und 4.5 kg CO2 sowie 20.5 kg Getreide und 4200 Liter Wasser ein (im Vergleich mit einem durchschnittlichen Fleischesser). Alle Menschen zusammen trinken 20 Milliarden Liter Wasser und essen eine Masse von 80 Milliarden Litern. Alleine alle Kühe der Erde trinken 170 Milliarden Liter und fressen eine Masse von 511 Milliarden Litern - das braucht immensen Platz und produziert unheimlich viel Abfall, auch und besonders in unseren Ozeanen.

Fleisch und vor allem der Konsum von Kuhfleisch und Milchprodukten ist neben dem Abbau der Braunkohle sowie der Ölverbrennung und zusammen mit der Textilbranche hauptverantwortlich für die Umweltzerstörung, besonders auch für die Abholzung der Regenwälder und mitschuldig für den Welthunger - das reichte mir persönlich als Grund, um auf eine pflanzliche Ernährung umzustellen.

2. Pflanzliche Ernährung ist ungesund und es fehlt dabei an lebenswichtigen Nährstoffen. Und Soja beeinträchtigt die Fruchtbarkeit der Männer, da die enthaltenen Isoflavone dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln und den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Und Kinder wachsen ohne Milche nicht mehr richtig. Veganer setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. 

Nein: Alle wichtigen Nährstoffe (ausser B12) finden sich zur Genüge in einer ausgewogenen pflanzlichen Ernährung. Zum Beispiel strotzen Kohlartige vor Calzium und Hülsenfrüchte liefern massig Eiweiss.

Das beispielsweise das Eisen im Fleisch schneller und besser vom Körper aufgenommen wird als jenes aus Pflanzen stimmt, jedoch enthalten etwa Mandeln, Trockenfrüchte, Reis, Linsen, Kichererbsen und Soja mehr Eisen als Rind- oder Schweinefleisch. Die Pflanzen decken den Bedarf. Nur Innereien beinhalten mehr Eisen als alles andere, aber wer mag die schon. Problematisch sind bezüglich Eisen eher und auch für Fleischesser die Nahrungsmittel, welche die Eisenaufnahme hemmen: Schokolade, Weissmehl, Schwarztee, Milchprodukte und Kaffee. Eisenmangel? Vielleicht besser mal die Konsumation der Hemmer runterfahren und Vitamin C (Früchte) konsumieren, dieses fördert die Aufnahme. Für eine gute Aufnahme von Calzium braucht es Vitamin D: Ab an die Sonne, denn da liefert auch das Tier nichts. Was aber richtig und wichtig ist: Veganer müssen besonders darauf achten, das Sie zu ihrem Vitamin B12 kommen. Dieses muss supplementiert werden (und nein, es stammt nicht aus Tieren sondern lässt sich beispielsweise aus bestimmten Algen gewinnen).

Das Märchen der Fruchtbarkeit bezüglich Soja ist entkräftet, ein normaler (auch täglicher) Konsum von Soja bedenkenlos (sonst wäre wohl der Grossteil der Asiaten entmännlicht) bis empfehlenswert (ZEIT), solange man keine Probleme mit der Schilddrüse hat (falls doch, könnte durch die Isoflavone die Bildung von Schilddrüsenhormonen gemindert werden). Wichtig ist entsprechend ein ausreichender Jodhaushalt (Q). Aber bezüglich Soja lies doch bitte auch Antwort 3.

Für mich persönlich lohnte sich die Ernährungsumstellung nur schon wegen dem körperlichen Wohlbefinden: Seit der Umstellung vor knapp 3 Jahren kenne ich keine "Hungerlöcher" mehr und auch das Konzentrationstief am Nachmittag oder die Müdigkeitsattacken nach dem Mittagessen: Alles weg. Es fühlt sich gut an. Muss man ausprobiert haben. Ehrlich. Das Kinder, die wenig oder keine Milch konsumieren, weniger gross sind und werden, bestätigt eine kanadische Studie. Das liegt aber nicht am fehlenden Calzium, sondern an den in der Milch enthaltenen Wachstumshormonen. Ob diese Wachstumshilfe der Milch gut ist, ist umstritten. Milch erhöht etwa den Spiegel des Wachstumsfaktors IGF-1 und zwar in unnatürlichem Ausmass, wie das Ärzteblatt in einem Bericht schreibt (demnach steht Milch im Verdacht, das Risiko von Akne, Adipositas, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs zu erhöhen).

3. Wegen fleischloser Ernährung werden mehr Produkte mit Soja und Palmöl konsumiert, diese stammen aus Asien oder Südmerika und dafür wird Regenwald gerodet. Vegane Ernährung ist ökologischer Blödsinn.

In der Schweiz erhalten Schweine, Geflügel und Rinder zusammen rund 1,75 Millionen Tonnen Kraftfutter, über die Hälfte wird importiert (Q). Zum Soja-Vorwurf eine einfache Rechnung: Eine Milchkuh frisst pro Tag 18-22 kg Trockensubstanz (oder 70 bis 100 kg Gras), durchschnittlich erhält sie pro Tag 3 Kilogramm Kraftfutter (wovon angenommen ein Drittel Soja ist, für 1 Kilo Sojaschrot braucht es 5m2 Regenwaldfläche). Die Kuh liefert durchschnittlich 45 Liter Milch. In einem Liter Kuhmilch sind also umgerechnet mindestens 60 g Getreide 'enthalten' - dreimal so viel wie in einem Liter Getreidemilch (hier jedoch stammt das Getreide/ Soja aus Europa), dazu in der Kuhmilch noch etwas Palmöl. Und das ist bezüglich Kraftfutter eine defensive Rechnung (es wird bis über 10 kg/ Tag verfüttert). Wenn du denkst, da gäbe es doch auch Kühe, die nicht mit Kraftfutter und Palmöl ernährt werden und nur natürliches Gras fressen würden, dann lies im Anschluss auch Punkt 4.

Zum Palmöl-Vorwurf: 2016 landeten 5000 der 30'000 importierten Tonnen Palmöl in Tierfuttermischungen, in der Schweiz werden also gut 16% des Palmöls den Nutztieren verfüttert (schweizerbauer). Wer Milch trinkt, Fleisch oder Ei isst, isst also indirekt auch Palmöl (jedoch ist seit 2017 in der Schweiz glücklicherweise die Umstellung auf palmölfreies Tierfutter am Laufen). Auch dem Diesel wird kräftig Palmöl beigemischt (in der EU 40% des importierten Palmöls, in der Schweiz bestehen diesbezüglich höhere Hürden und der Verbrauch ist geringer (Q)). Aber natürlich ist es trotzdem und unabhängig der Ernährungsform wichtig, möglichst auf Palmöl in der Nahrung zu verzichten, nur zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass bestimmt nicht die Veganer den Palmöl-Konsum antreiben. Zudem, zu Indonesien, dem stärksten Exporteur von Palmöl: Hier tragen Viehzucht und Futterpflanzen stärker zur Zerstörung des indonesischen Regenwals bei als Palmöl (10 Mio fürs Palmöl zu 55 Mio Hektaren für die Viehzucht/Futtermittel wurden bis 2015 gerodet).

Mehr zum Abholzen des Regenwaldes: Die Welt­ernährungsorganisation FAO stellte in einer 2006 veröffentlichten Studie fest, dass 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet wurden und der Futter­mittel­anbau einen Grossteil der restlichen 30% belegt - der kleinste Teil wird also zur Ernährung des Menschen verwendet. Woher kommt denn das Veganer-Soja? Wenn du beispielsweise Tofu im Coop kaufst, dann stammt das Soja aus dem Tessin. Und für ein Grossteil der sonstigen Sojaprodukte, die hier im Verkauf sind, stammt das Soja aus Frankreich oder Italien. Auch da wird kein Regenwald abgeholzt. Dennoch ist es so, dass zu den folgenreichsten Landnutzungsänderungen die Rodung von tropischen Regenwäldern gehört, um die gerodeten Flächen dann als Weide oder Anbaufläche für Futtermittel zu nutzen. Das hat dramatische Folgen – u. a. für das Klima, den regionalen Wasserhaushalt und die regionale Artenvielfalt (Q).

Zum Schluss eine Berechnung vom The Guardian: Ersetzen wir das Fleisch in unserer Ernährung beispielsweise durch Soja, wird der Flächenbedarf pro Kilo Eiweiss auf spektakuläre Weise reduziert: bei Hühnern um 70 %, bei Schweinen um 89 % und bei Rindfleisch um 97 %. Im Vergleich Rindfleisch und Pflanze bräuchten wir, um die gleiche Menge an Proteinen zu produzieren, mit Pflanzen noch 3% der Landfläche! 3%.

4. Labels wie Bio Suisse oder Demeter garantieren nachhaltiges Wirtschaften. Es gibt Kühe, Schweine und Schafe, die sich von regional wachsendem Gras und Getreide ernähren, das ist pure Nachhaltigkeit. Ein regionales Demeter-Rindsteak ist nachhaltiger als ein Sojasteak aus Übersee. Vegane Ernährung ist ökologische Augenwischerei.

Nein (, aber):

Auch für Bio- und -Demeter-Produkte darf dem Vieh Kraftfutter verabreicht werden (bei Biofleisch und - Milch darf den Kühen in der Schweiz bis zu 20% nicht-Bio-Futter und 10% Kraftfutter gefüttert werden, auch Kühe die dem Label "Heumilch" Milch liefern, erhalten bis zu 10% Kraftfutter aus Getreideschrot (->Heumilchregulativ ).

Milch zu produzieren, ohne der Kuh Kraftfutter zu füttern, das lohnt sich für niemanden (ausser für die Kühe, die wären gesünder (Q):

Es ginge länger bis sie schlachtreif wären oder sie würden weniger Milch liefern und entsprechend bräuchten sie mehr und länger Platz und Futter).

Zudem sind Kühe an sich Klimasünder - unabhängig ihrer Ernährung: Als Wiederkäuer produzieren sie Gas in rauen Mengen. Sie furzen Methan. Dieses ist als Treibhausgas in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid. Massentierhaltung ist neben der ethischen Grundsatzfrage (die ich hier nur ganz unten kurz touchiere) ein gewaltiges ökologisches Problem: Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen 7 und 28 Kilo Treibhausgasemissionen - Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo (Q ).

Du magst einwenden, dass es doch auch Bauern gibt, die ihr Vieh aus Überzeugung nachhaltig und ohne Kraftfutter halten, auch wenn es dafür kein Label gibt. Hierzu ein Zahlensbeispiel aus dem Film Cowspiracy:

Alle Menschen zusammen trinken 20 Milliarden Liter Wasser und essen eine Masse von 80 Milliarden Litern. Alleine alle Kühe der Erde trinken 170 Milliarden Liter und fressen eine Masse von 511 Milliarden Litern - das braucht immensen Platz und produziert unheimlich viel Abfall, auch und besonders in unseren Ozeanen. Die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass sich der weltweite Fleischverbrauch bis 2050 fast verdoppeln wird. Es ist ein Umweltskandal - egal ob mit oder ohne Kraftfutter. Zudem ist es eine Mär, die Geschichte von der Kuh ohne Kraftfutter oder vom Schwein, dass sich von runterfallenden Kastanien ernährt: Die Zahl dieser Art der Produktion ist nahezu gleich 0 und wird in den Statistiken nicht mal erwähnt (gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen).

Zahlen zur Schweiz: In der Schweiz sind 800’000 Hektaren Futterfläche (das sind über 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ->Swissmilk ). Ein ausschliesslich aus Wiesenfutter produziertes Kilo Fleisch bräuchte etwa 50m2 (mehr?) Wiesenfläche. Die Schweizerinnen und Schweizer essen durchschnittlich über 50 kg Fleisch. Das würde also einen Bedarf von 2 Mio Hektaren Futterfläche machen. Da müssten Berge eingestampft, Wälder gerodet und Seen aufgeschüttet und in Futterfläche umgewandelt werden, um die Hälfte der Schweiz als Futterfläche zur Verfügung zu stellen. Auf dem Grossteil der bereits heute genutzten Futterfläche könnte aber problemlos auch Gemüse, Früchte oder Getreide angebaut werden (zudem wird für jedes Stück Fleisch Landfläche im Ausland genutzt, denn eine grosse Menge an Futtermittel wird importiert. In der Schweiz kommt 60% des Kraftfutters aus dem Ausland und 40% der gesamten Fütterung ->swissinfo ). Zum "aber": Ein Ei oder das Fleisch von einem Zweinutzungshuhn (die Hänchen werden zu Brathänchen anstatt geschreddert), das kein Futter aus Palmöl und Soya erhält sowie tierfreundlich (zum Beispiel Demeter) gehalten wird, ist meiner Meinung nach aus ökologischer und sozialer Sicht vertretbar (aber siehe hierzu Punkt 13). Es bleibt einzig das tierethische Argument, da auch für diese Nahrung Tiere getötet werden. Ähnlich verhält es sich mit Fisch aus regionalem See, der nicht industriell gefangen wird (jedoch kommt bei konventionellem Fischfang auf 1 kg Fisch 5 kg Lebendmasse als Beifang/ Abfall, dazu gehören Wale, Haie, Delfine, Schildkröten etc.).

5. In Berggebieten beispielsweise ist nur Viehwirtschaft möglich. Zudem ist der Erhalt von Kulturland wichtig, weshalb es sinnlos ist, auf Fleisch, Käse und Milch und damit die Unterstützung von Bergbauern zu verzichten. Veganer verhindern den Erhalt von regionalem Kulturland und traditioneller Arbeit.

Nein:

Vieh in Bergen zu halten ist im heutigen Ausmass weit entfernt von traditioneller Arbeit und zudem, besonders in Berggebieten weder ökonomisch sinnvoll (dazu reicht ein Blick auf die Subventionszahlen) noch ökologisch vertretbar (die mageren Wiesen und damit die Pflanzenvielfalt in den Bergen ist durch die hohe, vom Vieh ausgeschiedenen Nitratmenge bedroht). Dazu verdrängen die Nutziere die Wildtiere, vollkommen unabhängig davon, wie gut sie gehalten werden. Die Biomasse aller Wirbeltiere auf der Erde ist folgendermassen verteilt: Nutziere 65%, Mensch 32%, Wildtiere 3%. Das heisst, der Mensch und seine Nutztiere gegen alle Wildiere gleich 97% zu 3%.(->Q)

Pflanzliche Alternativen würden effizienter zum Erhalt von Kulturland beitragen. Diese Alternativen zur Bewirtschaftung der Berggebiete gibt es: Beispielsweise durch Permakultur. Ein Beispiel für alpine Permakultur liefert die Schweibenalp ob Brienz oder das Permakultur-Vorzeigeprojekt Krameterhof im österreichischen Lungau.

Es ist entsprechend eine Frage der Subventionen (also des politischen Willens), ob Vieh gehalten werden 'muss' oder nicht.

6. Veganer wollen nicht einsehen, dass es für die Pflege des Kulturlandes Nutztiere braucht. Ohne Tiere könnten wir unsere schöne Landschaft vergessen, es würde alles verbuschen, schöne Wanderungen über Wiesen und das Grün unserer Täler wäre bedroht und nicht zuletzt würde auch der Tourismus darunter leiden. Nutztiere pflegen unsere Umwelt.

Jein:

Selbstverständlich sorgt das Vieh für abgegraste Weiden. Aber nur das Vieh auf Weiden, nicht jenes im Maststall, der kleinere Teil also. Dafür braucht es keine Massentierhaltung. Dazu: Wenn Tiere für uns die Rasen mähen, warum sollten wir sie töten?

Dass die Landschaft auch durch Pflanzen gepflegt werden kann, zeigen die Beispiele zu Permakultur (Links in der Antwort zu Punkt 5). Und weiter, ganz allgemein zum Pflegen der Weiden dieser Welt: Würde ein Teil der vom Vieh genutzten Fläche wieder zu (Regen-)Wald, hätte ich nichts dagegen. Und die Bewirtschaftung mit Pflanzen pflegt das Landschaftsbild ebenfalls.

7. Auch wenn der Gedanke einer pflanzlichen Ernährung gut sein mag, so kann ein einzelner Mensch sowieso nichts ändern. Viel sinnvoller wären globale Abkommen bezüglich Nachhaltigkeit und Tierrechten. Veganer überschätzen ihren Einfluss masslos und sind realitätsfremde Möchtegern-Weltverbesserer.

Nein, der Einfluss lässt sich berechnen:

Logisch, ein Mensch alleine richtet wenig aus. Wenig heisst hier: Mit einer pflanzlichen Ernährung spart eine einzelne Person jeden Tag 2.8m2 Regenwald und 4.5 kg CO2 sowie 20.5 kg Getreide und 4200 Liter Wasser ein (im Vergleich mit einem durchschnittlichen Fleischesser; Quelle: Cowspiracy). Zudem gilt einerseits der abgedroschene Satz "Nachfrage bestimmt Angebot" wahrscheinlich doch ein bisschen und als Konsument bist du hier in der Verantwortung. Anderseits hast du meiner Meinung nach auch eine Verantwortung gegenüber deinen Nachfahren - und wenn du an einer Kinderparty Fleischprodukte servierst, putzen die Kinder sowohl ihre eigene Zukunft und noch viel direkter die Zukunft der Kinder in Entwicklungsländern weg (die Zukunft von Eisbären und Orang-Utans wurde eh schon weggefressen). Hierzu die Punkte 1, 3 und 4.

8. Tierische Nahrungsmittel sind Teil der menschlichen Kultur und damit unbedingt erhaltenswert. Nutztiere sind Teil unserer Kulturgeschichte. Zudem bin ich auch neugierig auf andere Kulturen und will auch deren Küche kennen lernen. Als Veganer verkenne ich die Esskultur und verschliesse ich mich der Kulturvielfalt.

Nein (, aber):

Kultur besteht nicht nur aus Essen. Und was das Essen anbelangt, das ist die pflanzliche Ernährung eine Erweiterung: Man findet die veganen Orte und Essen, die gibt es überall. Aber natürlich ist es hinderlich, wenn man an einem australischen oder argentinischen Barbecue oder einem ungarischen Familienanlass nicht auffallen will oder vor allem: Das Rezept der Grossmutter kosten möchte. Das ist tatsächlich ein Aber, dem ich nicht widersprechen kann. Dies nimmt man entweder in Kauf oder man macht eine Ausnahme (und oder fokussiert sich so gut wie möglich auf die Beilagen). Aber gemäss Menukarten geht beispielsweise in Asien vegan essen problemlos, nur das Fischöl hindert da oder dort ein freies Zappen durch das Angebot. Zudem interessant: Wurden 1850 in Europa noch etwa 20 kg Hülsenfrüchte, wie zum Beispiel Erbsen, Bohnen oder Linsen, pro Jahr gegessen, sind es heute nur 0,5 kg (Q). Kultur- und Geschichtsinteressierte finden also ihre Befriedigung durchaus in der veganen Küche und auch traditionelle Menüs können überraschend vegan sein. Je weiter weg vom gemästeten Westen, desto häufiger. Hier ein ganzes Buch voller traditioneller Rezepte auf Pflanzenbasis: Immer schon vegan. Der krasse Fleischkonsum ist also keine Kultur und stammt von keiner Tradition, es ist eine neue Erscheinung (der Fleischkonsum hat sich in den letzten 60 Jahren verdoppelt) und verdrängt eher die Kulturvielfalt als dass er zu ihr beiträgt (beispielsweise die Fastfood-Burger-Ketten).

9. Tiere zu verwerten ist natürlich und dem Menschen eigen. Wenn ich essen will (also: wenn ich leben will), muss ich Essen beschaffen und damit auch Tiere töten (lassen). Das ist der natürliche Kreislauf. Veganer vermenschlichen das Tier. Das ist absurd, denn auch Pflanzen reagieren auf Schmerzen. Konsequente Veganer müssten sich umbringen, um ihre Ziel zu erreichen (möglichst kein Tierleid zu verursachen und die Umwelt zu schonen oder besser: Zu retten). Veganer sind Anti-Humanisten.

Nein:

Gerade aus humanistischer Perspektive muss eine pflanzliche Ernährung bevorzugt werden: Es liessen sich mehr Menschen ernähren und es würde weniger Land enteignet, wenn sich mehr Menschen pflanzlich ernähren würden. Zudem gäbe es weltweit weniger Konflikte ums Trinkwasser. Kurz: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Stück Tofu mit Soja aus dem EU-Raum fairer gehandelt wurde als ein Rindsfilet (das Rind gefüttert mit Getreideschrot aus Entwicklungsländern, hierzu die Punkte 3 und 4) ist enorm hoch. Zudem: Veganer vermenschlichen nicht das Tier, sondern sie setzen sich für das Recht des Tiers ein. Das Argument der Tradition ist hinfällig: Ein Unrecht wird nicht dadurch gerechtfertigt, dass es Tradition hat - ansonsten liesse sich gegen die Menschenrechte ähnlich argumentieren.

10. Tierindustrie und Ernährungstraditionen bieten enorm viele Arbeitsplätze. Veganer bedrohen die soziale Sicherheit.

Nein:

Das Gegenteil ist der Fall: Die Fleischindustrie und damit der Kampf um das Trinkwasser bedroht in vielen Ländern die soziale Sicherheit. Natürlich kann bei uns eine Umstellung nicht von heute auf morgen realisiert werden. Aber Nahrungsmittel müssen sowieso produziert werden, da gibt es ganz einfach neue Aufgaben zu erledigen, Berufe verändern sich und entstehen neu. Klar, der Metzger geht verloren. Aber he, die Berufswelt ändert sich: Die Rohrpostbeamtin, den Wagner, den Harzer und den Schriftsetzer gibt es heute auch nicht mehr. Dafür gab es vor einigen Jahrzehnten noch keine Hörakustikerin und keinen Orthopädieschuhmacher. Künftig gibt es vielleicht die Biofilm-Installateurin und den Roboter-Berater. Berufsbilder und Gesellschaften ändern sich. Lebe damit, das ist kein Argument für dein Steak.

11. Pflanzlich ist ja gut und recht. Aber beim Essen fehlt dann die Hauptsache, Beilagen machen unmöglich satt und ohne tierisches Fett fehlt das Deftige (ich liebe deftiges Essen). Die vegane Küche ist einseitig, fad und nicht sättigend.

Nein:

Kauf dir ein Kochbuch. Oder google. Die vegane Küche bedarf einer Umstellung, ist aber enorm reichhaltig, du wirst Dinge entdecken, die du sonst nie entdeckt hättest. Das einzige, was möglicherweise zutrifft: Es braucht Erfahrung, damit man die Geschmacksrichtung Umami hinkriegt und man darf Hartkäse nicht kopieren wollen. Kopieren oder sich bezüglich Geschmack an bestehenden Gerichten orientieren wollen ist meiner Meinung nach generell ein schlechter Ratgeber für die vegane Küche.

Und zwei Vorurteile seien noch weggeräumt:

Erstens, Soja ist nicht das Grundnahrungsmittel der pflanzlichen Ernährung, da gibt es massig alternative Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse. In vielen veganen Rezeptbüchern wird gänzlich auf Soja verzichtet, sei es aus geschmacklichen Gründen oder weder Allergien.

Zweitens heisst vegane Ernährung nicht gleich Fastfood mit Konservierungsstoffen und Zucker. Das ist ein Markt, der wächst, ja. Aber Fertigfood gibt es auch mit Milch- und Fleischprodukten. Einem Veganer vorzuwerfen, sein Essen sei ungesund, da es stark verarbeitet sei, ist falsch. Denn das hat wenig mit seinem Vegan-sein zu tun. Zu stark verarbeitete und mit Zusätzen und Zucker versehene Nahrungsmittel sind so oder so ungesund. Zucker ist sowieso ein Thema für sich, informiere dich und: Lass ihn weg.

12. Die meisten Leute haben weder die Zeit noch die Musse, ihr Koch- und Essverhalten zu revolutionieren. Aber Lust auf Gäste und Freunde haben sie trotzdem. Wenn aber Veganer zu Besuch kommen, bin ich überfordert - darauf verzichte ich. Und ich hasse es, wenn Gäste ihr eigenes Essen mitbringen. Das ist sowas von respektlos.Veganer sind asozial .

Nein, aber ...:

Ok, kann ich ein bisschen nachvollziehen. Gäste, die ihr eigenes Essen mitbringen, würde ich auch kein zweites Mal einladen wollen. Wenn du weisst, dass deine Gäste sich gerne pflanzlich ernähren wollen, stell dir vor, sie seien Vegetarier und Laktose-intolerant, dann lass das Ei weg: Et voilà. Du lädst den Gast ja ein, weil du sie oder ihn magst - notfalls machst du Spaghetti mit Tomatensauce oder lässt auf ihrer oder seiner Pizza-Ecke den Mozzarella und den Schinken weg, dafür machst du etwas mehr Steinpilze drauf - so schwer ist das nicht.

13. Jetzt mal im Ernst: Ein Ei vom Nachbar ist doch nichts Schlimmes. Veganer denken nicht richtig.

Doch, denn mehrheitlich gilt:

Hühner picken meistens Soja aus Entwicklungsländern, oft versehen mit Palmöl aus Indonesien oder Malaysia. Da ist in einem Ei mehr Getreide und Öl als im Protein-Müesli. Aber zugegeben: Der Unterschied ist minim und das Ei hat tatsächlich keine sehr schlechte Ökobilanz (nur minim schlechter als Tofu beispielsweise). Ausser bei der Landfläche, da braucht das Eiweiss aus dem Ei 70% mehr Land als das pflanzliche Protein. Aber, wichtiger: Legt ein Hahn Eier? Leider nein, die sind unbrauchbar: In Deutschland werden jährlich 50 Millionen, in der Schweiz 2 Millionen männliche Küken vergast und geschreddert. Für die Ei-Industrie. Das sind dann plötzlich nicht mehr so frohe Ostern. Zu Zweinutzungshühnern und Soja-freiem Hühnerfutter siehe Punkt 4.

Und dies noch hintennach: Meine Überzeugung ist, dass unsere industrielle Tierhaltung ein massives Legitimationsproblem hat. Neben den ökologischen und ökonomischen Problemen, welche ich oben hauptsächlich zur Sprache bringe, hat die Tierindustrie in meinen Augen auch ein grundsätzliches Problem: Mit dem Konsum tierischer Produkte unterstützt du eine Industrie, die Tieren zu einem trivialen Zweck Gewalt zufügt. Du bist reflexionsfähig und vor allem: Du bist in einer privilegierten Position und hast, im Vergleich zu anderen auf dieser Welt, Alternativen. Du kannst dich entscheiden, kein Fleisch zu essen. Einer oder einem, der oder die diese Wahl nicht in dieser Form hat, würde ich bestimmt nicht diesen Vorwurf machen. Aber, kurzum: Isst DU Fleisch, Ei oder Käse, bist du in meinen Augen leichtfertig mitschuldig an unnötigem, auch menschlichem Leid und sinnlosem Vernichten von Tieren. Aber da die ethische Frage zu schnell emotionale Reaktionen hervorruft (ich meine: Weil man sich in einem Fehler seines Lebensentwurfes ertappt fühlt; eine andere Erklärung dafür fand ich bisher nicht), legte ich mich in meiner Erklärung den Fokus auf ökonomische und ökologische Punkte. Obwohl die ethische Argumentation für den Veganismus eine starke ist: Für eine geschmackliche oder stilistische Präferenz (beispielsweise ein Stück Käse oder Lederschuhe) werden Tiere eingesperrt, verstümmelt und getötet und soziale Ungerechtigkeiten forciert. Der Nutzen steht in keinem Verhältnis zu dem Leid, das verursacht wird. Aus ethischer Perspektive lässt sich das nicht rechtfertigen.

Trotzdem bin der Meinung, dass man im Konsum von tierischen Produkten durchaus Unterschiede machen soll und auch abgewogen werden muss, ob ein Plastik- oder Pflanzenersatz tatsächlich besser ist. Nicht jedes Plastik-Kleidungsstück ist beispielsweise ethisch vertretbarer als sein tierisches Ersatzprodukt - nur in der kaum geregelten Massenindustrie, da ist der Fall immer eindeutig.